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Statement zur Finanzkrise von Dr. Matthias Redlefsen
 
MPT06008 Benary Geschäftsführer Dr. Matthias Redle
Geschäftsführer der Ernst Benary Samenzucht GmbH, Hann. Münden  

Hann. Münden, Südniedersachsen. Benary ist ein unabhängiges Familienunternehmen und ein Global Player der Zierpflanzenzüchtung. Schon vor dem ersten Weltkrieg betrug unser Exportanteil über 50%. Heute, knapp 170 Jahre nach der Gründung, vertreiben wir unsere innovativen Züchtungen in über 110 Länder der Welt. Unser Exportanteil liegt bei über 85%. Mehr als 50% unseres Umsatzes erwirtschaften wir außerhalb Europas. Mittlerweile befindet sich Benary in der Hand der sechsten Generation und ist damit in Europa das älteste Unternehmen seiner Branche und das Zweitälteste weltweit. Nur Takii mit Stammsitz in Japan ist acht Jahre älter.

Unabhängigkeit als Garant in der Krise
In den Zeiten der aktuellen Finanzkrise kommt uns unsere Unabhängigkeit sehr zugute. Anders als börsennotierte Zuchtunternehmen wie z.B. Syngenta oder Sakata ist bei Benary die Kapitalausstattung nicht von radikalen Kurseinbrüchen betroffen. Ebenso wenig sind wir
in Boomzeiten der Versuchung einer überzogenen Börsenbewertung ausgesetzt. Wir denken langfristig, in Generationen, nicht in Quartalszahlen. Dabei kommt uns unsere solide Finanzierung zugute. Benary ist weitgehend bankenunabhängig finanziert.

Vielmehr als die derzeitigen Börsengeschehnisse betrifft uns die damit verbundene Entwicklung des Dollarkurses. Innerhalb der letzten drei Monate ist der Kurs des Dollars gegenüber dem Euro um über 25% gestiegen. Das ist gut für unseren Export und gibt uns insbesondere auf dem Nordamerikanischen Markt Vorteile.

Zweischneidiges Schwert für den deutschen Gartenbau
Für den Gartenbau in Deutschland ist die Finanzkrise ein zweischneidiges Schwert. Auch wenn unsere Banken nach ihren Eskapaden in hochkomplexen Finanzinstrumenten nun wieder größeres Interesse an Krediten für den Mittelstand haben sollten, werden sie noch stärker als in der Vergangenheit auf ihre Risiken achten. Als Folge werden gut aufgestellte Betriebe leichter an Geld kommen. Betriebe, die ihr Geschäftsmodell nicht im Griff haben, bereits hoch verschuldet sind oder vor Nachfolgeproblemen stehen, werden es in der Finanzierung jedoch schwer bekommen. Dynamische Betriebe gewinnen, träge und ineffiziente Betriebe verlieren. So wird die Konsolidierung weiter fortschreiten. Vor 10 Jahren hatten wir in Deutschland noch 12.000 Gartenbaubetriebe, heute sind es noch 8.000. Ich denke, dass es in 5 Jahren noch 4.000 Betriebe in Deutschland geben wird. Dabei wird die Fläche unter Glas stabil bleiben. Nur die Einheiten werden größer und sich im Schnitt verdoppeln.

Mehr saatvermehrte Sorten
Weiterhin sehen wir einen starken Trend hin zu samenvermehrten Sorten. Die sind in der Regel nicht nur günstiger, als vegetative Jungpflanzen. Auch hat die Züchtung hier in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gemacht. An unserem Absatz spüren wir, dass Saat eindeutig wieder im Kommen ist. Neben spannenden Neuheiten aus Saat, wie jüngst unsere Begonia x benariensis 'BIG'TM, Ptilotus exaltatus 'Joey'® oder Pentas lanceolata 'Northern Lights'® (die erste Pentas, die auch in deutschen Beeten funktioniert), versuchen wir durch unsere Züchtung mehr denn je den Kostendruck der Produzenten zu entlasten. Bessere Pflanzenausbeute, kurze Kulturzeiten, und niedrigere Temperaturbedürfnisse sind nur einige wichtige Kriterien dafür.

Cocooning und Balkonien
Auf Ebene der Endverbraucher wird die Finanzkrise massive Folgen auf das verfügbare Kapital des Einzelnen haben. Allerdings führt die Verunsicherung nicht zu weniger Blumenkäufen, sondern zu mehr. Gerade in Krisenzeiten steigt das Bedürfnis, es sich in den eigenen vier Wänden geborgen zu gestalten und den Garten schön zu halten. Dieser Trend des „Cocoonings“ oder Einnistens ist seit den 90er Jahren bekannt. Dazu kommen immer mehr Haushalte, die sich eine Fernreise im kommenden Jahr sparen und statt dessen die Ferien im eigenen Garten oder auf „Balkonien“ verbringen werden. Auch das wird positive Auswirkungen auf den Absatz im Zierpflanzenbau haben.

Und vergessen wir nicht:  Entscheidend ist immer noch das Wetter. Ist es in den kritischen Wochen im kommenden Jahr gut, wird im Gartenbau kein Mensch mehr von der Finanzkrise sprechen. Wetter gut, alles gut.

 
 
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